Das einsame Wolkenkuckucksheim

Filmrezension zu Joseph Kosinskis „Oblivion“ (2013).

2077: Nach einer Alieninvasion ist die Erde entvölkert, der Mond schwebt als Trümmerhaufen am Horizont. Die Menschheit hat sich ein neues Zuhause gesucht. Jack (Tom Cruise) und seine Kollegin Victoria (Andrea Riseborough) sind Abgesandte ohne Erinnerung, wohnen zu zweit in einem Wolkenkuckucksheim. Ja, die Macher dieses Films haben geklaut: aus Matrix, The 6th Day, The Book of Eli … Trotzdem hat Oblivion etwas Besonderes.

Eigene Atmosphäre

Ein kolossales Szenenbild mit in ihm winzigen Figuren wurde von minimalistisch angehauchter Musik der Band M83 untermauert. Musik der französischen Elektropopper wurde schon 2004 für den russischen Film Wächter der Nacht eingesetzt. Der Song Midnight City ist auch aus der Renault-Werbung von 2013 bekannt.

Die Ente der Comicverfilmung

„Based on the Graphic Novel“ lese ich im Abspann. Tatsächlich wurde die Veröffentlichung einer Graphic Novel angekündigt, aber nie umgesetzt. Oblivion ist der zweite Spielfilm des Regisseurs Joseph Kosinski. Vor seinem Disney-Debüt Tron: Legacy arbeitete er an Werbespots für Videospiele. Und damit wäre dieses Rätsel gelöst, heutzutage verkauft sich eine Comicverfilmung wohl besser – auch ohne Comic.

Plakat zur Kinopremiere 2013.
Plakat zur Kinopremiere 2013.
Die Story an sich verspricht mehr. Nur knallharte Actionfans könnten etwas enttäuscht sein, was auch die vielen Verrisse erklärt. Zu Beginn des Films scheint auch nicht viel zu passieren. Nur zwei Schauspieler? Gibt es sonst keine Menschen? Ein klaustrophobisches, mulmiges Gefühl kommt auf. Als jedoch eine Kapsel mit schlafenden Menschen vom Himmel fällt, ändert sich alles. Jacks Welt wird auf den Kopf gestellt.
Der Film ist spannend wie ein Krimi. Im Vergleich zu sonstigen Science-Fiction-Filmen spart er an Action-Elementen und Figuren. Das ist erfrischend, dadurch unterscheidet er sich von anderen Werken seiner Art. Vielleicht wäre es besser gewesen, es konstant durchzuziehen. Die wenigen eher unglaubwürdigen Elemente des Films entspringen diesen Action-Szenen. Dazu eine Schauspielführung, die dem Zuschauer die Unterscheidung zwischen gut und böse einfach macht. Einer Hollywood-Produktion kann das gerecht werden, was also kein großes Problem darstellen muss. Dafür ist die Handlung mit vielen Überraschungen ausgestattet. Nach und wird immer Unglaublicheres aufgerollt. Ich komme ins Grübeln, freue mich mit Jack über die fantastischen Erkenntnisse. Die dramaturgische Prinzip mit der typischen Liebesgeschichte wird etwas gebrochen. Eine fast perfekte Story – mit fast perfektem Ausgang (Aber das ist Ansichtssache).

Hollywoods Ausbruchsversuch

Wer Hollywood liebt, wird sich bei diesem Film womöglich langweilen. Und wer Hollywood hasst, wird ihm vielleicht auch nicht viel abgewinnen können, denn Oblivion versucht auch der klassischen Filmführung gerecht zu werden. Es ist zweischneidig, was wohl auch die geteilte Meinung der Presse erklärt. Ich erwartete nicht viel, wurde aber in dieser Hinsicht enttäuscht – denn Oblivion ist besser als ich erhofft habe. Wer Spannung, Fantasie, eine intelligente Story und gute, mit einem Auge zugedrückte Unterhaltung mag, sollte sich für Kosinskis Werk begeistern lassen.


Oblivion, 124 min
Regie: Joseph Kosinski
Kamera: Claudio Miranda
Buch: Joseph Kosinski, Karl Gajdusek, Michael deBruyn
Originalsprache: Englisch
Besetzung: Tom Cruise, Andrea Riseborough, Morgan Freeman, Olga Kurylenko u. a.

DVD-Release: August 2013

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