Rezension des Hörbuchs zu Noah Gordons Roman „Der Medicus“.

Was für ein tolles Buch! Nach den ersten Worten war ich verblüfft, dass es ein historischer Roman ist, denn der Alltag des 9-jährigen Rob beginnt zunächst wie der eines armen Jungen aus dem London des 20. Jahrhunderts. Als Ältester passt er auf seine Brüder auf. Seine Mutter ist bei der letzten Geburt gestorben. Sein Vater krank.

Die Botschaft des Autors

Als ich zu einem hörbuchfeindlichen Freund schwärmerisch über den Medicus berichtet habe, meinte er, es klinge wie Unsere kleine Farm. Davon abgesehen, dass diese Fernsehserie gar nicht so schlecht ist, wie er sie damit darstellen wollte, sind Parallelen tatsächlich erkennbar. Noah Gordon schreibt wie ein christlicher Patzifist. Das verleiht seinen Büchern eine bestimmte Note. Kann man gut finden, muss man nicht. Wo Bernard Cornwell Gemetzel auf poetische Weise zu schildern weiß (was auch nerven kann), gehen Gordons Figuren früher oder später den Weg der Gewaltfreiheit.

Warum „Der Medicus“ so gut ist

Robs Vorbild Avecinna lehrte tatsächlich im persischen Isfahan.
Robs Vorbild Avecinna lehrte tatsächlich im persischen Isfahan.
Der Medicus ist ein typischer Noah-Gordon-Roman. Mit dem Unterschied, dass er herausragt. Ich frage mich, warum. Was ist es, dass mich weiterhören und meine Arbeit vernachlässigen lässt? Rob begibt sich gezwungenermaßen auf die Reise mit einem Baderchirurgen. Er lernt das Handwerk des Arztes und Quacksalbers der Armen. Wie in einem Rollenspiel freue ich mich, wenn Rob etwas neues gelernt hat. Ich fiebere mit ihm mit, wenn er sich in Schwierigkeiten befindet. Davon gibt es viele. Bevor es langweilig werden könnte, ist die Reise zu ende. Ansich wäre das schon genug für einen Roman. Aber dann beginnt eine neue Reise. Ich möchte wissen, wie sich Rob in der Welt des 11. Jahrhunderts durchschlägt.

Das einzige, was mich enttäuscht, sind die historischen Ungenauigkeiten über die Zünfte und Namen. Wer sich den Lesespaß ein wenig verderben lassen möchte, kann auf Wikipedia nachlesen. Allerdings schafft es Gorden auch, geschichtliche Tatsachen geschickt in den Roman einfließen zu lassen. So wird der Tod des persischen Medicus und Philosophen Avecinna, Robs Vorbild, glaubwürdig dargestellt.

Sensibel eingesprochen

Der Sprecher Frank Arnold bringt für Noah Gordons Bücher das richtige Einfühlungsvermögen mit. Selbst hin und wieder erwähnte sexuelle Akte werden mit einer Sensibilität beschrieben, dass ich glaube, er liest mir aus der Bibel vor. Als wäre der Sprecher der Autor selbst, der mir seine Friedensbotschaft verkündet. Ich spüre die Empfindung, ihm zu folgen.

Der Medicus, 28h, 18 min
Von Noah Gordon
Originaltitel: The Physician
Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Sprecher: Frank Arnold
ASIN: B00FDXGXFA
Random House, 2013

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