Die Tolkien-Edda

Rezension zu Tolkiens Buch „Die Legende von Sigurd und GudrĂșn“.

Wer sich fĂŒr nordische Mythologie interessiert, der kennt das große Gedicht der Edda. Der Vater der Hobbits J. R. R. Tolkien hat einen Teil davon ĂŒbersetzt: Die Legende von Sigurd und GudrĂșn. Ein verwandter Mythos ist im deutschen Sprachraum als die Nibelungensage erhalten. Sigurd ist die skandinavische Variante von Siegfried und GudrĂșn ist die schöne Kriemhild.

Edda?

Die Holzschnitzerei zeigt Gunnar mit der Harfe in der Schlangengrube. Die Schnitzereien wurden an einer Kirche in Hylestad gefunden und dienten dem Illustrator als Vorlage. Foto: John Erling Blad

Die Holzschnitzerei zeigt Gunnar mit der Harfe in der Schlangengrube. Die Schnitzereien wurden an einer Kirche in Hylestad gefunden und dienten dem Illustrator als Vorlage. Foto: John Erling Blad

Als mir jemand Tolkiens Buch in die Hand gedrĂŒckt hatte, fragte ich mich: Tolkien hat die Edda ĂŒbersetzt? Der Duden beschreibt sie als „Sammlung altnordischer Dichtungen“. Wir kennen die Ältere Edda, meist Lieder-Edda genannt. Die JĂŒngere Edda, auch Snorra-Edda wurde zum Teil in Prosa verfasst. Ihr Autor Snorri Sturluson schrieb sie im 13. Jahrhundert. Beide Werke zeigen Parallelen zu Figuren, die es wirklich gegeben hat, wie den Hunnenkönig Attila aus dem fĂŒnften Jahrhundert. In dieser Sage heißt er Atli. In der Nibelungensage Etzel.

In der Legende von Sigurd und GudrĂșn lese ich etwas ĂŒber die Entstehungsgeschichte der Lied-Übersetzung. Tolkien bezieht sich auf die Heldensage. Wer auch die Göttersagen der Alten Edda lesen möchte, kann die kostenlose Übersetzung von Karl Simrock auf ↗gutenberg.spiegel.de lesen oder kostenlos als ↗amazon.de herunterladen. Tolkien ĂŒbersetzte die Sage ĂŒber Sigurd nicht nur neu, er fĂŒllte auch auch logische LĂŒcken. Dabei schöpfte er aus anderen Liedern oder aus eigener Fantasie. Die Reihenfolge der Verse wurde chronologisch angeglichen.

Stabreim

Die Legende von Sigurd und GudrĂșn hat sich fĂŒr mich als Laie der nordischen Mythologie als EinfĂŒhrung geeignet. Die Sprache ist verstĂ€ndlich – wenn man damit klarkommt, dass die Geschichte in Versen geschrieben ist. (Was fĂŒr mich kein Problem.) Der Klett-Cotta-Verlag hat das gesamte Buch zweisprachig herausgegeben: Die linke Seite ist englisch, die rechte deutsch. Der Interessierte wird schnell merken, ob er die Geschichte in den Stil lesen möchte oder nicht. Als kleine Leseprobe soll diese Strophe dienen, die unter den ersten Zeilen des Gedichts stehen:

To the world came war:
the walls of Gods
giants beleaguered;
joy was ended.
The mountains were moved,
mighty Ocean
surged and thundered,
the Sun trembled.

Da kam Krieg in die Welt,
da bekÀmpften Riesen
die Festen der Götter;
Freude erstarb.
Die Berge bebten,
es brauste das Meer,
ĂŒberschwemmte die Scholle,
schwarz ward die Sonne.

Es mag vielleicht nicht sofort auffallen, dass es sich um Reime handelt, nÀmlich um Stabreime, doch der Leser, der so etwas nicht kennt, könnte die seltsame Schönheit der Verse auch so entdecken. Mit dem Stabreim ist die Aliteration gemeint: So beginnen also bedeutungsvolle Wörter wie World, war und walls mit dem selben Laut.

Tolkien hatte sein Werk verlegt

Einem Vorwort des Herausgebers Christopher, Tolkiens Sohn, entnehme ich die Ursache fĂŒr die spĂ€ter Veröffentlichung dieses Buchs. J. R. R. Tolkien hatte das Manuskript verlegt. Zum GlĂŒck wurde es wiedergefunden und fĂŒr die Nachwelt ausgedruckt!

Die Legende von Sigurd und GudrĂșn, 560 Seiten
Von J.R.R. Tolkien
Klett-Cotta, 2010
ISBN 978 3 608 93795 4

Originalausgabe: The Legend of Sigurd & GudrĂșn
The Tolkien Trust, 2009

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9 Antworten auf Die Tolkien-Edda

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