Ein Film ĂĽber Verwesung

Rezension zu Peter Greenaways Film „Ein Z und zwei Nullen“ (1985).

Greenaway zitiert Jan Vermeers „Mädchen mit rotem Hut“ (1665-1667).

Greenaway zitiert Jan Vermeers „Mädchen mit rotem Hut“ (1665-1667).

Ich habe mir A Zed & Two Noughts angeschaut, abgrundtief gelangweilt und — ich hielt es bisher für undenkbar — geekelt. Keine Story! So viel dazu. Wer also nach Unterhaltung sucht, möge doch bitte auf dem rechten Balken dieser Seite suchen. Er wird bestimmt etwas finden.

Ich habe die Trauer zweier Brüder verfolgt, deren Frauen bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Ein aus dem Zoo geflohener weißer Schwan war die Ursache. Mit der Fahrerin gehen sie eine Dreierbeziehung ein. Aber hauptsächlich geht es darum, dass die Brüder von nun an den Verwesungsprozess von Äpfeln, Zebras und anderen Tieren fotografisch aufzeichnen.

Wer schaut sich so was an?

Man muss vielleicht depressiv sein und Gefallen daran haben, sich noch so richtig reinziehen zu lassen. Oder man ist Filmemacher, lernt von der Ästhetik von A Zed & Two Noughts. Der britische Regisseur Peter Greenaway stattet Bilder wie Vermeers Gemälde aus; er adaptiert den Stil des alten Meisters. Viele Einstellungen ähneln mittelalterlichen Ikonen. Nur Close-ups habe ich keine bemerkt. Symmetrie kennzeichnet den Ton der Bilder.

Passend unpassende Musik

Der musikalische Ton verstört mich, aber mehr noch schafft er Gefallen am Depri-sein, an Verwesung. Eintönig kommen die zwei Lieder immer wieder (nicht im wörtlichen Sinn). Die Wahl des The-Piano-Komponisten Michael Nyman war eine gute.

Dazu kommen noch andere Feinheiten, die den Film wertvoll machen: eine Sprache, die über die Fragen des Lebens nachdenken lassen, ein distanziertes, emotionsloses Schauspiel von Andréa Ferréol (ob gewollt oder nicht, weiß ich nicht) und wissenschaftlich wertvoll anmutende Bilder von Verwesenden Individuen. Diese sind auf der DVD sogar separat anschaubar. Viel Spaß!

Nebenbei bemerkt

Ich habe mir den Schocker nicht gekauft. Ein Freund namens Oliver (wie sich auch ein Hauptcharakter nennt) drĂĽckte mir vor seinem Umzug einen Stapel Filme in die Hand. Oliver wollte, wie ich, Regisseur werden. Ob er Ein Z und zwei Nullen einfach nur los werden wollte, kann ich nicht sagen.

Ein Z und zwei Nullen, 112 min
Originaltitel: A Zed & Two Noughts
Originalsprache: Englisch
Regie/Buch: Peter Greenaway
Kamera: Sascha Vierny
Musik: Michael Nyman
Besetzung: Brian Deacon, Eric Deacon, AndrĂ©a FerrĂ©ol u. a.

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