Fantasy zum Totlachen

Rezension zum Hörbuch von Alexey Pehovs „Schattenwanderer“.

Das Buch erschien 2012 beim Piper-Verlag.
Das Buch erschien 2012 beim Piper-Verlag.
Garrett, der Meisterdieb, bekommt vom König den Auftrag, das Horn des Regenbogens zu stehlen. Alte gnomische Prophezeiungen bestätigen, dass der Schattenwanderer der richtige Mann ist. Blöd gelaufen. Denn Garrett agiert eigentlich lieber im Dunkeln. Nur mithilfe des Horns kann der Unaussprechliche besiegt werden. Der wurde vor 500 Jahren verbannt. Allerdings bloß für 500 Jahre …

Der dunkle Schein trügt

Ich weiß nicht, wer die Idee für die düstere Covergestaltung hatte. Man könnte nämlich denken, es folgt ein blutrünstiger Roman für Hartgesottene. Vielleicht sollen hier alteingesessene Fantasyliebhaber, die das Genre zu ernst nehmen, angelockt werden. Den Schattenwanderer ist ein wenig anders. Okay, ab und zu stirbt jemand auf grausame Weise, nichtsdestotrotz ist die Story urkomisch! Das ist es, was sie besonders macht. Darin unterscheidet sich Alexey Pehov von Markus Heitz, von dem ich Die Zwerge schon mal angehört habe.

Mit einer lockeren, zeitgenössischen Sprache schöpft der Autor aus der Breite der modernen Fantasy, nimmt sie auf’s Korn. Computers- und Rollenspieler dürften Elemente sehen, die sie sonst aus Spielen kennen. Glauben wir der Hauptfigur, gibt es keine Vampire (was darauf schließen lässt, dass irgendwann im Laufe der Chronik welche auftauchen werden). Dafür begleiten Elfen, Zwerge, Magier und ein Gnom den selbstmörderischen Auftrag des Helden. Außerdem steht er unter dem Schutz Sagoths, dem Gott der Diebe.

Wir hören Garretts selbstzweifelnde Gedanken, während er eine „sauertöpfische“ Miene aufsetzt, um seinem Fremdbild in einer Kneipe gerecht zu werden. Der Berechnende gibt sich unberechenbar. Das ist witzig.

Kai Taschner schafft es, die Ironie der Geschichte so zu interpretieren, dass der Humor ankommt. Dabei legt die aus Findet Nemo bekannte Stimme noch eine Prise eigenen Witz dazu. Perfekt!

Anachronismus lässt grüßen

Parallelen zu unserer Welt kommen immer zum Vorschein. So haben die Diebe in Siala nicht nur eine Art Gewerkschaft. Die muss auch noch Abgaben an den König leisten (Anspielung auf die russische Oligarchie oder zeitgenössische Sozialkritik?). Garrett, der beste unter den Dieben, verweigert sich hartnäckig einer Mitgliedschaft. Das wiederum mündet in einem Besuch aus der Mördergilde. Sagoth sei Dank weiß unser Dieb natürlich aus jeder noch so ausweglosen Situation einen Ausweg.

Das Buch trägt keine tiefphilosophischen Inhalte. Die Wortspiele machen es aus. Die haben literarischen Wert. Der Übersetzerin Christiane Pöhlmann möchte ich hierbei nichts absprechen. Sie hat Wächter-Romane von Sergei Lukjanenko ins Deutsche übertragen, mit denen ich mich später sicherlich noch beschäftigen werde.

Ausdrücke wie „Der Weg ertrank förmlich“ oder „Die Nacht fraß die Farben der Welt“ lassen das Schreibtalent des Meisterdiebs erkennen. Der Schattenwanderer wurde in der Ich-Perspektive verfasst. Nur zwischendurch erleben wir zur Abwechslung die Träume des Diebes in der dritten Person. Kleine Kurzgeschichten, die interessante Aufschlüsse über die Vorgeschichte von Garretts Welt liefern.

Großartige russische Fantasy

Ich bin kein Experte darin, aber ich sehe hier ein Juwel der Fantasy-Literatur. Fantasiereich, actionbeladen und von einem Meister seines Fachs geschrieben. Vielleicht ein Quentin Tarantino der Phantastik. Ich glaube, Alexey Pehov wird noch ein großer Name in der literarischen Welt der werden. In Russland ist das vielleicht bereits der Fall. Den Schattenwanderer zu hören lohnt sich. Und zu lesen wohl erst recht.


Schattenwanderer – Die Chroniken von Siala 1, Hörbuch-Download, 19h, 12 min
Von Alexey Pehov, übersetzt von Christiane Pöhlmann
Audible-Verlag, 2012
ASIN: B0083JDN5E

Das Buch erschien bei Piper Fantasy
ISBN 978-3-492-70186-0↗

Russische Originalausgabe: 2002, AL’FA-KNIGA

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