„Geh nach Hause“, sagt das Bier

Rezension zum Film „Chungking Express“ von Wong Kar-Wai.

Mitte der Neunziger verschaffte Quentin Tarantino einer experimentellen Romanze aus Hongkong den Zugang zum amerikanischen Markt. Die Filme des Regisseurs kannte Tarantino aus diversen Festivals. Dem DVD-Klappentext zufolge sei Wong Kar-Wai ein chinesischer Tarantino und beruft sich auf die „englischsprachige Presse“.

Langweilig und schön

Den ersten Teil habe ich eher als einen etwas langweiligen Arthouse-Film wahrgenommen. Poetisch, aber die Figuren schienen mir unglaubhaft. Ein bisschen Blut floss am Anfang, sonst sah ich nicht viele Gemeinsamkeiten mit dem, was Tarantino macht. Der Film behandelt jedoch zwei Geschichten, und der zweite Teil hatte mich tatsÀchlich gepackt.

Eine Aushilfe in einem Imbiss (Faye Wong) verliebt sich in den Polizisten 663 (Tony Leung Chiu-Wai) und breitet sich ohne seines Wissens in seiner Wohnung aus (auch nicht wirklich nachvollziehbar, aber doch interessant, bizarr). Wie in einem alten deutschen MĂ€rchen verschwindet der gute Hausgeist, nachdem man ihn einmal erwischt hat.

Unterhaltung mit einem Bier

Wer Lost in Translation mag, wird sicher auch diesen Film mögen. Was mich letztlich beeindruckt hat, sind die Dialoge. „Geh nach Hause und leg dich hin, sie wird nicht mehr kommen“, sagt die Bierflasche, als Polizist 663 in einer Bar sitzt und vergeblich auf seine Verabredung wartet. 663 unterhĂ€lt sich auch mit HaushaltsgegenstĂ€nden wie einem Handtuch!

Chungking Express, 1h 38 min
Regie/Drehbuch: Wong Kar-Wai
Kamera: Christopher Doyle
Musik: Frankie Chan, Roel A. Garcia
Besetzung: Brigitte Lin Ching-Hsia, Takeshi Kaneshiro, Tony Leung Chiu-Wai, Faye Wong u. a.

Hong Kong, 1994

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