Krimi im Weltall

Rezension zu Frank Schätzings Roman „Limit“.

Der lunare Norden. Ungefähr in der Mitte, zwischen den drei kleinen Kratern, befinden sich die Montes Alpes, das Ziel der Reisegruppe. Quelle: dlr.de

Der lunare Norden. Ungefähr in der Mitte, zwischen den drei kleinen Kratern, befinden sich die Montes Alpes, das Ziel der Reisegruppe. Quelle: dlr.de

Vor einem Jahr viel mir auf, dass in meinem Umkreis fast alle Krimis lasen. Mit dem Genre hatte ich mich nie viel beschäftigt. Nicht mal Tatort hab ich geguckt. Einer meiner Kollegen wusste von meiner Neugier für Politik und Wirtschaft; ich erklärte ihm zudem, dass ich eher an gehobener Science-Fiction interessiert wäre. Der Kollege war Frank-Schätzing-Fan und lieh mir seinen Wälzer, nachdem er ihn selbst durchgelesen hatte: Limit. Das war im März 2013. Sein Umzug in eine andere Stadt war für den Sommer schon festgelegt; ich hatte also nicht viel Zeit, wenn ich ihm das Buch durchgelesen zurückgeben wollte.

Nach dem ersten Kapitel dachte ich: „Wow, die Hauptfigur ist dahin, was jetzt?“ Auf jeden Fall wollte ich weiterlesen. Das Problem: Limit hat über 1300 Seiten! Nun konnte ich seitdem nicht durchgängig weiterstöbern – an fehlender Spannung lag es nicht. Nach elf Monaten habe ich es geschafft.

Verfolgungsjagden auf Mond und Erde

Im Jahr 2025 liegt die Ölbranche brach. Helium-3 heißt der neue umweltfreundliche Rohstoff zur Energieerzeugung. Und der wird auf dem Mond abgebaut. Die Handlung von Limit ist auf kleine und große Stränge verteilt, die langsam aufeinander zulaufen. Da gibt es eine Reisegruppe von Prominenten, die sich zu einem Ausflug auf den Mond begeben. Zunächst scheint es ungefährlich zu sein. Dann gibt es da einen Cyber-Detektiv: Owen Jericho muss nebenbei auch Außeneinsätze erledigen. Die ersten paar hundert Seiten sind von Zustandsbeschreibungen durchsetzt, duzende von Figuren werden eingeführt – schwer sich alle zu merken –; dabei erfahre ich etwas über die Gedankenwelt, Probleme und Karrieren der größtenteils steinreichen Protagonisten: Aktienmakler, Firmengründer, TV-Stars.

(Am Ende wird sich herausstellen, dass es ein Personenregister im Buch gibt. Für mich wird diese Entdeckung zu spät kommen.)

Zwischendurch wechselt das Tempo. Die Handlung wird von knallharter Action durchsetzt. Nach den ersten 300 Seiten nimmt das Spektakel an Fahrt zu. Ich merke, dass die Bezeichnung „Thriller“ für diesen Roman zutrifft.

Wissenswerte Unterhaltung?

Limit ist extrem brutal. Menschen sterben unerwartet. Ich denke mir: Macht sich Frank Schätzing jetzt ĂĽber mich lustig? So viel Trivialität. Darauf hab ich eigentlich keine Lust. Ist mir zu plump. Effekthascherei. Trotzdem will ich noch wissen, wie es weitergeht … Zwischendurch bin ich so eingenommen, dass ich Probleme beim Einschlafen habe. Ich erfahre auĂźerdem Wissenswertes ĂĽber Physik und politische sowie wirtschaftliche Strukturen. Die Handlung von Limit spielt in der Zukunft, bedient sich aber Fäden politischer Vergangenheit und Gegenwart, vor allem in China. Der Roman zieht sich durch internationale Schauplätze von Ă„quatorialguinea ĂĽber Kanada, London und Berlin. BezĂĽge zu Geheimdiensten und Sicherheitsfirmen werden anschaulich erläutert.

UnglaubwĂĽrdiges und Vorstellbares

Limit greift auf viele Sparten zu, lässt sich aber mit dem Begriff Science-Fiction am wenigsten einordnen. Manchmal denke ich, die eine Figur müsste jetzt schon längst tot sein, Frank Schätzing hat zu viele Hollywood-Thriller im Kino gesehen. Andererseits ist es nun mal ein Thriller und kein philosophischer Roman. Also finde ich mich damit ab. Abgesehen vom Spektakel ist Limit sogar extrem glaubwürdig, erhellend und freigeistig – sozialkritisches Denken wird zugelassen. Der Autor hat wirklich gut recherchiert. Ich kann mir die Zukunft genau so vorstellen.

Limit werde ich wohl nicht in die Reihe der besten Bücher ordnen, die ich jemals gelesen habe. Trotzdem habe ich den Schinken genossen. Nun habe ich ein Bild davon, wie es sein könnte, auf dem Mond zu leben. Mein Eindruck: Dorthin möchte ich auf keinen Fall! Zu gefährlich. Ich habe Angst. Danke, Frank Schätzing! Ach ja, mein Kollege bekommt sein 1-Kilo-Buch jetzt verspätet mit der Post zurück.

Limit, Roman, 1312 Seiten
Von Frank Schätzing

Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
ISBN 978-3-596-18488-0

Originalausgabe: Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2009

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