Saxnots Bezwinger

Rezension zu Stefan Weinfurters Biografie „Karl der Große: Der heilige Barbar“.

Mit dem Gedanken, mal wieder eine Biografie zu lesen und gleichzeitig mein Geschichtswissen aufzubessern, bin ich über Weinfurters Karl den Großen gestoßen. Ich wurde nicht entäuscht. Das Buch ist für Laien verständlich und unterhaltsam geschrieben. Zugleich vermittelt es detailierte Kenntnisse über die Person Karls und des fränkischen Gottesstaats.

Karl auf dem Kindl?

Diese Karte hat mir zum Verständnis der Lektüre geholfen. Quelle laut Wikipedia: „Historical Atlas“ von William R. Shepherd, 1911
Diese Karte hat mir zum Verständnis der Lektüre geholfen. Quelle laut Wikipedia: „Historical Atlas“ von William R. Shepherd, 1911

Wenn ich ein Geschichtsbuch lese, schaue ich mir gerne eine Karte dazu an. Im Buch selbst wurde leider keine abgedruckt. Wer sich also für die im Buch genannten Gebiete und Völker geografisch interessiert und keinen Geschichtsatlas besitzt, muss gezwungenermaßen im Internet recherchieren. Die vielen Personen um Karl den Großen herum werden dagegen verständlich eingeleitet. Wiederholt auftauchende werden nochmals umschrieben. Das ist ein großer Vorteil für den geschichtsunkenntlichen Leser. Im Anhang gibt es einige Bilder. Wer sich das E-Book – so wie ich – auf einem Kindle Papterwhite der 6. Generation durchliest, kann die Bilder nicht vergrößern. Der Stammbaum zu Beginn des Buches ist ebenfalls unleserlich. Dafür, dass ich für die Kindle Edition 17 Euro bezahlt habe – also mehr als für die Taschenbuchausgabe – fühle ich mich diesbezüglich ein wenig betrogen …

Den Gottesdiener verstehen lernen

Karl der Große ist keine klassische Biografie, die ganz chronologisch die einzelnen Stationen des Lebens erläutert. Es braucht erstmal zwei Kapitel, bis wir wirklich bei Karl ankommen. Ich bemerke den pädagogischen und wissenschaftlichen Hintergrund des Autors. Das Handeln des fränkischen Königs und späteren Kaisers wird verständlich: Der Verbot der Symbole sächsischer Gottheiten, die Umsiedlung ganzer Bevölkerungsschichten – alles für den Frieden? So zumindest stellt es sich mir dar. Karl hat seinen Regierungsstil einer christlichen Ideologie unterworfen, die er um jeden Preis durchsetzen will. Es erinnert mich an die Gegenwart und ihrer Idee von Demokratie.

Auf den Punkt gebracht

Was den geschichtlichen Ablauf betrifft, kann dieses Werk nur unvollständig sein, wenn der Autor uns verstehen machen möchte. Letzteres gelinkt ihm hervorragend. Es hat sich kein Linguistiker ans Werk gemacht, aber ein Experte darin, Details und Fakten zusammenzufassen und auf einen Punkt zu bringen. Im Übrigen gibt es ein reichhaltiges Quellenverzeichnis, alles schön mit Fußnoten versehen. Karl der Große: Der heilige Barbar ist eine interessant geschriebene Biografie, die Wissen und Verständnis vermittelt und neugierig darauf macht, mehr über Geschichte zu erfahren.

Karl der Große: Der heilige Barbar, 352 Seiten
Von Stefan Weinfurter
PIPER, 2013
ISBN 978-3-492-96384-8

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