Tschicke Geschichte

Rezension zu Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“.

Fremdsprachige Straßenschilder wissen sich Maik und Tschick nicht zu erklĂ€ren. Foto: Julian Nitzsche

Fremdsprachige Straßenschilder wissen sich Maik und Tschick nicht zu erklĂ€ren. Foto: Julian Nitzsche

Erster Schultag nach den Osterferien: Ein neuer Junge kommt in die Klasse. Andrej Tschichatschow, auch Russe genannt, seine Freunde rufen ihn Tschick. Viele davon scheint er aber nicht zu haben. Er wird als „Asi“ beschrieben, mit krimineller Vergangenheit und alten Klamotten. Das ganze Gegenteil von Maik, dem ErzĂ€hler des Romans. Eines aber ist ihnen gemeinsam: Keiner beachtet sie. Der Russe und die Schlaftablette freunden sich an und erleben die spannendste Zeit ihres Lebens. In den Straßen Ostdeutschlands.

Jugendsprache witzig verpackt

Das Buch beginnt mit dem Ende der Geschichte. Und sofort frage ich mich, wie Maik in diese blöde Situation kommen konnte. Ein dramaturgischer Trick. Anfangs wirkt die Story ein wenig wie die Aufarbeitung einer schlechten Kindheit. Könnte fĂŒr mich als 30-JĂ€hrigen schnell langweilig werden, denke ich mir. Herrndorf schafft es aber, seine Geschichte durch pointierten Witz nicht lĂ€cherlich wirken zu lassen. Eine interessante Art ĂŒber etwas zu schreiben, das sonst vielleicht zu alltĂ€glich ist.

Was hier passieren wird, ist nun alles andere als das. Plötzlich finden sich die beiden an seltsamen Orten, von denen ich nicht gedachte hĂ€tte, dass sie existieren. Falls sie nicht fiktiv sind. Das habe ich beim Lesen nicht in ErwĂ€gung gezogen und möchte es auch jetzt nicht tun. Ich bin neugierig, mehr ĂŒber diese Landschaften zu erfahren. Was es mit der Walachei auf sich hat, erfahre ich. Das es sorbische Siedlungen im Osten gibt, weiß ich auch. Aber wo genau befinden sich die anderen Gegenden, die Herrndorf beschreibt? Ein verlassenes Dorf aus dem zweiten Weltkrieg? Wenn jemand mehr weiß, freue ich mich ĂŒber Kommentare!

Auf diesen Roman sollte man sich ganz und gar einlassen. Zu Beginn hielt ich ihn fĂŒr nichts besonderes. Liest sich nett, dachte ich. Die kurzen Kapitel verschlinge ich HĂ€ppchenweise. Dann tauchen Figuren auf, die mir Fragen zuwerfen. Wo kommen die her? Aus welcher sozialen Schicht? Ich kriege sie nicht richtig eingeordnet. Sie sind einfach nur interessant. Irgendwann merke ich, dass es mir schwer fĂ€llt, das kleine Buch zur Seite zu legen.

Buch zum Verschenken

Tschick ist keine dumme ErzĂ€hlung und trotzdem kann ich ihr leicht folgen. Sie ist irgendwie lehrreich und zugleich unterhaltsam, vor allem fĂŒr 14-JĂ€hrige, aber eben auch fĂŒr Ältere. Mein Exemplar ist das Geschenk eines Freundes an einen Freund, der es mir spĂ€ter geliehen hat. Bedenkenlose Weiterempfehlung!


Tschick, 254 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2014
ISBN 978-3-499-25635-6
Erstausgabe: MĂ€rz 2012

ISBN-Hörbuch: 978-3-8398-4012-2

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